Samstag, 25. Oktober 2014

Samstagskaffee: die Grosszügigkeit und eine Karotte reicht für die Geselligkeit

Diese Woche habe ich einen wunderschönen Beitrag bei Signora Pinella gelesen. Es ging um die Grosszügigkeit.
Als ich die Worte von Signora Pinella aufgesogen hatte, kamen mir Erinnerungen hoch aus meiner Jugend. Das Wort Grosszügigkeit ist eine wichtige Eigenschaft, die ich seit ca. 15 Jahre bewusst in meinen Alltag einbinden möchte. Manchmal gelingt es mir weniger, manchmal mehr-eben wie es gerade so passt und das Leben mitspielt.

Damals als ich ca. 16 Jahre alt war, besuchte ich eine Familie in Lausanne (im französicher Teil der Schweiz). Ich hatte die Aufgabe während vier Wochen jeweils am Morgen zu den beiden süssen Mädels der Familie zu schauen, während die Eltern ihrer Arbeit nach gingen. Schon alleine der Empfang der damals unbekannten Familie war so grosszügig und vorallem auch herzlich. Quasi so als hätten wir uns schon immer gekannt. Während ich mich jeweils morgens mit den Kinder vergnügte und meine Französisch aufbesserte...und bei Kindern MUSST du Sprechen, spätestens wenn sie richtig Strasse rennen. Ja, da hab ich echt viel gelernt.


Die Familie waren Künstler. Ich bekam einen tiefen Einblick in einer wunderbare Familie mit einer grossen Portion Offenheit. Jeweils am Nachmittag verweilten wir in Museen, Freibäder, mit Freunden der Familie, in der Stadt oder auf dem Land. Die Wochendgestaltung war dann das Tüpfchen auf dem I. In grosser Gesellschaft mit viel Spontanität fühlte ich mich wie im 7ten Himmel. Man hat sich hier mal dort getroffen. Im Haus, in einem Park, am See oder auf dem Schiff. Es ging in erster Linie um die Geselligkeit, einfach ums Beisammen zu sein und es schön zu haben. Gegessen wurde natürlich auch!




Und das Essen war so ein Punkt, denn ich nie mehr vergessen werde. Nur noch eine Karotte im Kühlschrank und einen kleinen Rest vom überkünstlichen Pfefferminzsirup aus Frankreich  übrig, ist KEIN Grund nicht alle Freunde einzuladen und ein Apero zu machen!! Ja so ist es. Es kommt auf das Zusammensein an und nicht aufs Essen. (die Leute brachten meistens immer noch was für den Apero mit, verhungern mussten wir alle nicht.) Aus meiner Familienkultur kannte ich bis dahin folgendes: Wenn Gäste kommen, muss was auf den Tisch und aufgeräumt sein!
Und ja dann war das noch mit den Sitzgelegenheiten und dem Platz am Tisch. Ich dachte mir jeweils, wo hin werden sich nun alle die eingeladenen Gäste hinsetzten? (ach ja, dann waren noch die spontanen Gäste, die von den geladenen Gäste mitgenommen wurden). Kein Problem. Es gibt ja noch einen Boden! Ja und dann sassen wir auf dem Boden, auf dem Sofa, auf den 5 Stühlen, auf Kissen oder eben wo es Platz hatte. Nicht zu vergessen, in erster Linie ging es ums Beisammensein!


Diese wunderbare Art und Weise die Geselligkeit zu feiern und zu geniessen habe ich in meinem Herzen aufgenommen. Während unserer Zeit im alten Bauernhaus war es an der Tagesordnung: STEHT DIE TÜRE BEI KUHMAGDA OFFEN, STRÖMTEN DIE LEUTE HEREIN (im Winter galt die Regel: hat es Licht in der Wohnung...). Kurzerhand habe ich auch schon die traditionelle Weihnachten über den Haufen geworfen, als ich einfach noch 6 weitere Leute eingeladen habe (nicht unbedingt ganz zur Freude meiner Familie.) Aber je grösser die Tafelrunde um so besser. Und zu dieser Weihnachten bekamen wir sogar von einem spontanen Gast einen Truthahn. Was willst du noch mehr?

Seit wir im Block wohnen, ist das alles leider verloren gegangen und es fehlt mir sehr. Und was einem fehlt muss man ändern oder? Darum bekoch ich seit mehreren Wochen immer Mittwochs hungrige Mäuler. Jeder darf kommen und es sind schon einige die da waren. Diesen Mittwoch war es wieder so weit und um 18.00 Uhr klingelte das Telefon. Am andere Ende: Heute ist doch Mittwoch, gibts bei dir was feines? Ja uns so ist die Runde spontan gewachsen. Und ja mittlerweile geht es bei mir auch nicht mehr um die Üppigkeit, sondern um die Gesellschaft und einfach mal Grosszügig sein. Immerhin bekommen die Gäste bei mir zwei Karotten, die sie sich teilen müssen....Lach* und ja es gibt selber gemachten Holundersirup!

Und damals habe ich den französichen Hip-Hop entdeckt und dem bin ich bis heute treu geblieben. Ich hab euch ein ganz heiss geliebtes Lied herausgepickt:





Die vier Wochen in einer anderen Familie hat mich für mein weiteres Leben sehr inspiriert und so manches ist hängen geblieben.
Hab ich euch schon erzählt wie die Küche ausgesehen hat? Wenn wir schon so vertieft in die Esskultur geblickt haben. Das Mobiliar bestand aus alten Schaltafeln von der Baustelle. Obwohl der Herr des Hauses Architekt war....eben es geht nicht ums Tadellose sondern um die Geselligkeit. Nicht vergessen! Ich muss immer noch schmunzeln über die Details, die ich dort erlebt habe.


Mittlerweile musste ich aber auch lernen, dass die Grosszügigkeit auch eine Gefahr sein kann. Aber das lass ich jetzt stehen und bleibe lieber bei den positiven Erlebnisse stehen!

Wie geht ihr mit der Grosszügigkeit um? Was verbindet ihr damit? Wie habt ihr es vorgelebt bekommen? Oder vielleicht auch nicht?

Ich hoff, dass ihr nun euren Kaffee leer getrunken habt und das Stück Karotte geniessen konntet und nun bleibt es mir noch euch zu verabschieden: Au revoir et à bientôt!

Bei ninjasieben gibts heute noch mehr Kaffee!

Kommentare:

  1. Liebe Kuhmagda,
    Karotte...WO? Wir haben keine da...was nun?
    Du hast ein schönes Thema aufgegriffen und Großzügigkeit ist eine Tugend...das Negative lasse auch ich hier weg! Meine Kids sind beide im Teeniealter. Da wir durch den Zwerg schon zeitig zu Abend essen, passiert es oft, dass der Besuch von den Großen noch da ist. Soll ich nun sagen, es gibt Abendbrot und schicke den Besuch für eine Stunde weg, kann ja danach wieder kommen? Ne, es wird zum Abendessen gerufen und da kann es eben schon mal vorkommen, dass der eine oder andere Gast mit am Tisch sitzt. Ich mag es gern, weil es doch immer wieder andere Gesprächsthemen aufwirft und uns bereichert. Klar, nicht immer schreie ich sooo gern hieeeeer und ärgere mich danach über den Teller mehr Abwasch.....Liebe Grüße von Stine

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    1. Oh ja, das geht mir manchmal auch so bei meinem Partner. Er nimmt ab und zu zum Feierabend noch einen Arbeitskollegen mit nachhause für ein Bier....und dann isst er halt auch immer mit. Zum Glück hab ich eine Abwaschmaschine ;-)

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  2. Liebe Kuhmagda, ich bin es noch mal...zu dem Thema habe ich ganz vergessen.....weißt du was für mich auch Großzügigkeit ist. Zeit für den anderen zu haben, Zeit für den, der gerade "deine" Zeit braucht. Zeit ist so ein kostbares Gut und wir hetzen von da nach dort. Zeit geben ist für mich auch Großzügigkeit, denn davon haben wir doch immer alle zu wenig.
    LG von Stine

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    1. Wie wahr. Ja, die Zeit ist was ganz wervolles!
      Danke Stine für deine Kommentare.
      Herzlich
      Kuhmagda

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  3. Schöner Bericht... so Herzketten wollte ich auch schon immer mal machen.
    Danke für deinen Kommentar bei mir... letzte Woche hat Marzena noch eine dritte Person für die Nettigkeiten gesucht. Schau doch mal bei ihr.
    Grüße Sonnenblume

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    1. Die Herzkette hab ich von einem Mittwochsgast bekommen ;-)

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  4. Sieh da an, Magda war ein Hip Hop Fan oder wie rappt es Max bei A-N-N-A? So schön! Ich liebe Freundeskreis und all die Künstler, die in ihrem Dunstkreis kreativ waren. In Lausanne waren natürlich Sens Unik ganz gross. Schade gibt es die alle nicht mehr.
    Danke für den schönen Post. Ich freue mich gerade riesig, dass ich eine musikalisch Gleichgesinnte gefunden habe!

    Wünsche Dir ein schönes Wochenende!
    Herzlichst, Signora Pinella

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    1. ja und weisst du was? Carlos Leal hat mit dem Bruder meiner Gastmama in Paris gelebt-Damals ;-)
      Kannst du dir vorstellen wie ich Sternen in den Augen hatte?

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  5. Bei mir brennt auch Licht in der Küche, also nur herein kommen. Es findet sich bestimmt was zu knabbern. liebe Grüsse von mir

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    1. ohh so schön! Und vielleicht komm ich ja mal ;-)

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  6. ein wirklich schönes Thema liebe Kuhmagda! Durfte ich doch auch schon selbst zu spüren bekommen, dass Du lebst von was Du schreibst. Und wenn Du durch deine "Gastfamilie" inspiriert wurdest, dann kann ich Dir nun mitteilen, dass Du diese Großzügigkeit und Offenheit bereits selbst verkörperst und andere inspirierst.
    Meine Großmutter war/ist (nicht mehr ganz so doll) auch ein sehr geselliger Mensch. Immer war Besuch im Haus. Immer war was los. Und obwohl sie selbst nie viel hatte, hat sie immer was für andere übrig gehabt. Danke, dass Du mir dieses Bild von ihr wieder mit Deiner Geschichte zurückgeholt hast. Und Danke für Deine großzügige Offenheit. Grüß mir S. und den M. wenn er in Eurer Oase sein sollte ;)

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    1. Ohhh du Liebe....Wie freu mich mich, dass du mir diese lieben Worte geschrieben hast. M. ist noch nicht da...aber er wird bald kommen.
      Ich freu mich dich bald wieder zu sehen. Und immer gerne auch für eine Kartotte bei uns ;-) Schön, dass wir uns getroffen haben.
      Sei liebe gegrüsst und geniess das Wochenende...
      Herzlich T.

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  7. Großzügigkeit geht bei mir mit Großherzigkeit einher. Geiz und Engstirnigkeit sind leider auch oft eins. Dabei geht es dabei - wie Du sagst - nicht um materielle Werte sondern um Vertrauen, Liebe und Freiraum. Der Boden, auf dem Gutes wächst. Die Kinder hatten sicher eine tolles Zuhause.
    Sei lieb gegrüßt.
    Es spricht zu 100% für Dich und Deinen Charakter, dass Dir das positiv in Erinnerung geblieben ist.
    Sunny

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    1. Vielen Dank für deine Worte. Heute war die Bude wieder voll ;-)

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  8. Einfach großartig was Du hier beschreibst! Das hört sich sehr gut an :-)
    Wir versuchen auch unserem Sohn Großzügikeit vorzuleben und er handelt sehr oft sehr großzügig. Dann bin ich sehr stolz auf ihn, v.a. weil Einzelkinder diesbezüglich nicht immer den besten Ruf haben.
    Ganz liebe Grüße,
    Kerstin

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    1. Toll, dass ihr das eurem Kind weitergibt...Wichtig sind ja bei Kinder immer die Vorbilder und ihr macht das bestimmt sehr gut.

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  9. Ein sehr schöner Beitrag. Großzügigkeit ist immer was schönes und eine sehr schöne Eigenschaft.
    Liebe Grüße
    Armida

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  10. Ich finde es eine nette Geste, dass du mittwochs sozusagen "tag des offenen tisches" hast.
    Soll ich dir mal was sagen? Gestern Nachmittag hatten wir eine kleine Familie zu Besuch zum Zvieri. Es gab Kuchen und Kaffee. Dann blieben sie etwas lämger. Wir wollten für uns eigentlich die Resten vom Vortag aufwärmen. Also habe ich noch was Reis gekocht, Gemüse, Nudeln und Salat und so hatten wir alle ein wunderbares Abendessen. Jeder konnte das nehmen, wozu er Lust hatte. Obwol nicht geplant, war das ein gelungener Abend, wie wir ihn zuvor selten hatten.

    Es ist nämlich Tradition, dass wir einander immer zum Geburtstag besuchen. Die Vorbereitungen dazu (schon oben erwähnt: Tisch schön machen, aufräumen, und viel Essen zubereiten) sind enorm, arten oft in Stress aus (und bei mir zu einem Asthmaanfall). Nicht so aber gestern Abend. Er hat mir gezeigt, dass man auch mit wenig "grosszùgig und geselligkeit" haben kann.
    Ich kenne das übrigens von der holländischen Familie meines Mannes. Ist Besuch da, schneidet man Käse in Wùrfel, salami in scheiben und reicht Brot, begleitet von tollen Leuten und interessanten Gesprãchen: Ein tolles Fest!
    Liebe Grüsse
    Milena

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    1. Vielen Dank liebe Milena für dein Erlebnis, dass du schilders. Ist doch wunderbar, wenn Spontanes Raum hat im Alltag.

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  11. Huhu, bevor ich neu auslosen muss, wäre es schön, wenn du dich melden würdest: http://www.wertvoll-blog.de/2014/10/kaffee-feiern-und-gewinnerinnen.html
    LG Sonja

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  12. Danke für diesen wunderschönen Post. Du sprichst mir aus dem Herzen.... Es braucht gar nicht viel und oftmals sind diese spontanen Besuche ein ganz besonderes Erlebnis; keine Hektik und Stress beim Vorbereiten. Man geniesst das gemütliche Beisammensein und etwas zum Knabbern findet man doch immer.
    Eine glückliche Woche wünscht Dir Yvonne

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  13. Ein sehr schönes Thema hast du da angesprochen - ich habe mich schon lange verabschiedet von Einladungen, die gaaanz lange im voraus geplant werden. Oftmals waren sie - wenigstens bei mir - mit viel Stress verbunden. Es sollte doch alles stimmen -die Deko, das Menue, der Wein (ich hatte ja schliesslich genügend Zeit für all diese Vorbereitungen!!!) Eines Tages hats mir einfach "den Deckel glupft" wie man so schön sagt - seit jenem Moment gibts vorwiegend spontane Einladungen und ich serviere halt das was vorhanden ist! Fazit: Alles ist viel gemütlicher, lockerer, lustiger und das Schönste daran ist, dass ich offensichtlich auch dem einen oder anderen den Stress weggenommen habe und sie auf der gleichen Ebene Einladungen machen!
    Geniessen wir das Leben und lassen es uns gut gehn! In diesem Sinne wünsche ich dir einen schönen Tag und grüsse herzlichst Rita

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  14. Großzügigkeit ist für mich eine Angelegenheit des Herzen - das Herz öffnen, und groß werden lassen. Dann gibt man gerne und bekommt tausendfach zurück, dann ist man nicht kleinlich, nicht abgelenkt und unkonzentriert, sondern achtsam und offen, verschwenderisch und froh. Grade bei den kleinen Dingen macht mich Großzügigkeit glücklich - beim Lächeln, Singen, Zeit haben, Zuhören, in den Arm nehmen, Komplimente machen...
    Liebe Grüße von Lena

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  15. Liebe Kuhmagda
    Ich ging 3 Jahre im Welschland zur Schule und hab den Charme und die Lebenseinstellung kennen gelernt. Ich mag die Welschen (und auch die Franzosen) sehr. Gerne wäre ich manchmal etwas mehr wie sie. Etwas unorganisierter. Das würde mir gut tun.
    Toll was du da vorlebst. Dieser Mittwochabend ist sicher immer sehr amüsant.
    Herzlichst
    Gabriela

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