Freitag, 14. November 2014

Freiraum und Genesungsprozess

Bei der liebe Sonja habe ich eben gelesen, dass ihr Motto des Monates November Freiraum bedeutet. Und da ich hier von meiner Erkankung geschrieben habe und so viele Kommentare von euch bekommen habe, wie noch nie, nutze ich die Gelegenheit über dieses Thema Freiraum zu schreiben.  Es passt nämlich wunderbar zu dem Thema Genesungsprozess. Jeder Mensch braucht eine andere Hilfe und jeder muss sich die Hilfe suchen, die ihm auch gut tut. Und ich kann und will keine Post mit Tipps schreiben. 

Viele Menschen kennen die Schwierigkeit im meist übervollen Alltag Platz für sich zu schaffen. Platz für Ungeplantes, für Privates oder Spontanes. 
Bei mir hat sich das in den letzten Jahren so eingeschlichen, dass ich viel in meine Arbeit hinein gesteckt habe. Die Arbeit in einer führenden Position ist was wunderschönes, bereicherndes und ich kann so viel lernen oder bewährtes umsetzen und ritualisieren. Die Zusammenarbeit mit Menschen ist jedoch auch eine Herausforderung. Darum muss man sich immer wieder fragen: Wo sind meine Grenzen? Wo und wie kann ich meine freie Zeit planen und vorallem frei halten? Was muss ich tun und was nicht?
Langsam wird mir klar, was viele Menschen mir immer wieder an Herz gelegt haben, dass ich auf mich achten soll und vermehrt meine Bedürfnisse wahrnehmen muss. Ich habe es aber immer nicht geglaubt und gedacht mein Lebensstil ist nun mal so und es geht doch alles gut. Die schlaflosen Nächten schob ich immer wieder anderen Gründen zu.
Erst während den letzten Wochen spüre ich wieder Bedürfnisse und Gefühle, die so gar nicht mehr kannte. Es sind aber befreiende, ja essentielle Bedürfnisse und Gefühle. Es fühlt sich das ganz entspannt an und beruhigend auf mein Wesen und vorallem auf mein Gemüt.

Während meiner Therapie habe ich in den letzten vier Monaten gelernt mir meine Freiräume zu erschaffen. Die Wochen zu Hause waren immer wieder sehr ausgelastet mit den vielen Terminen, jedoch habe ich mir immer zwei Tage pro Woche frei gehalten für Spontanes. Manchmal ergab sich daraus einen Tag auf dem Sofa oder ich fuhr spontan weg, suchte Entspannung im Wald oder am See. Ich laufe immer wieder in die Gefahr da und dort zu sein. Oftmals habe ich das Gefühl es geht mir ja wieder wunderprächtig. Aber es schlägt oftmals gnadenlos zurück, sowie letzte Woche, da konnte ich zwei Tage kaum mich bewegen.

Der zweite Freiraum, den ich noch schwer am üben bin, wird wohl noch einen längeren Prozess sein, bis ich ihn verinnerlicht haben werde. Wann muss ich oder darf ich Nein sagen? Wo stehen meine Bedürfnisse an erster Stelle und wo muss ich keine Kompromisse eingehen ohne mich nur einmal zu rechtfertigen. Oftmals geht es um mein grosses Harmoniebedürfniss, dass mir einen Streich spielt. Harmonie hin oder her, manchmal darf es auch dicke Luft geben. Seinen eigenen Willen durch zu setzen ist auch Psychohygiene und stärkt das Ich. 

Der dritte Freiraum ist weniger ist mehr. Ist es nötig heute aufzuräumen oder zu waschen und dann noch etwas zu werkeln? Es gibt immer mehr Tage, da setze ich Prioritäten und ich entscheide mich meistens fürs Kreative oder ich koche was feines. Also meine Wohnung ist nun kein Schlachtfeld ;-) Aber es ist halt manchmal nicht perfekt. Dafür tut es mir gut, wenn ich was habe, an dem ich mich erfreuen kann. 
Eine kleine Anekdote zum Thema Haushalt. Mein Freund nahm letztens aus dem Wäschekorb ein T-Shirt und meinte: Hast du das nicht gewaschen? Ich sagte darauf: Nein! Er meinte darauf: Super, du hast recht, so bist du auf dem richtigen Weg! Ich bin so froh, hab ich eine solche Unterstützung. Es ist nur in meiner Hirn so gespeichert, was ich alles doch machen sollte.

Ein ganz wichtiger Freiraum den ich mir auch sehr ans Herzen genommen habe, sind soziale Kontakte. Auch diese kamen in den letzten Monaten vor meiner Erkrankung zu kurz. Ich war immer müde nach der Arbeit. Brauchte meine Wochenenden um zu entspannen und Energie tanken. Das Treffen mit Freunden kam zu kurz. Dies habe ich auch geändert. Ich lade wieder gerne Menschen ein oder ich geh gern auf Besuch.
Die Geselligkeit von der ich hier schon geschrieben habe ist für mich eigentlich einen sehr wichtigen Punkt für mein positives Lebensgefühl. 

Diese Punkte sind für mich wichtig gewesen für auf einen guten Weg zu gehen um gesund zu werden.
Sicher ist es noch einen langen Weg, bis ich da bin, wo ich es mir wünsche, denn die eigentliche Erkrankung beschäftigt mich seit Jahren, nur machte mein Körper diesen Sommer nicht mehr mit und nach der Diagnose waren viele Therapiestunden nötig.
Nebst den vielen neuen Fragen, die mich beschäftigen und mich auch wirklich weiter bringen, bin ich zurück zu meinen Wurzeln als Kind. Ich habe mir eine konventionelle Psychologin gesucht, die aber mich und meine Haltung zur Genesung sehr unterstützt. Somit gehört zu meinem Helfernetz auch meinen langjährigen antroposophischer Arzt und meine Masseurin, die ryhthmische Massage mit mir macht. Ich spreche sehr gut auf die ganzheitliche alternative Heilmethoden und fühle mich sehr wohl damit.

Freiraum. Ein wunderschönes Wort. So positiv hört es sich an!

Nun schliesse ich mit diesem Thema von mir im Blog ab. Ob es wieder mal so einen Einblick in mein privates Leben geben wird, lass ich offen-ich lass mir den FREIRAUM eben! Also ich bin es am üben ;-)

Von Herzen wünsch ich euch ein gelungener Start ins Wochenende. 
Kuhmagda

Kommentare:

  1. Hey du, das hast du wundervoll geschrieben! Ich merke schon, dass jeder seine Freiräume braucht, die bei jedem etwas anders aussehen.
    Liebe Grüße, Sonja

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  2. Das ist ein ganz toller Post. Teilweise erkenne ich mich darin wieder. Ich freue mich sehr, dass dich die alternativen Therapien weiterbringe und ich wünsche dir weiterhin gute Besserung. Fühl dich mal ganz lieb gedrückt


    Liebste Grüße zu dir :-)

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  3. Und einmal mehr vielen Dank für Deine offenen Worte! Ich bewundere Dich dafür!
    Herzlichst, Signora Pinella

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  4. toll dass du über dich schreibst, noch besser dass du gelernt hast!!
    Liebe Grüsse Nicole

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  5. Hallo ... puh ... jetzt muss ich was beichten ...
    Der Kranz ist von IKEA und aus PLASTIK ...
    Meine Freundin meinte beim einkaufen ... das kann ich nicht machen ...
    Doch ich finde ihn für einen "Plastik-Kranz" echt gut ...
    Und es gibt einfach stellen ... da mag ich keine Nadeln ...

    Er soll ins Treppenhaus kommen ...

    Dein Post hat mich sehr berührt und ins nachdenken gebracht ... danke für die wunderbaren Zeilen ...

    Herzliche Grüße
    Jutta

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  6. Guten Abend liebe Kuhmagda,
    ja eine anscheinende Dauerverriegelung, wobei das Rückwärtsnähen echt mühsam ist und total langsam. Heute funktionierte es aber ganz gut, worüber ich sehr froh bin. Leider zwar mit einer kurzen Pause aber die meiste Zeit durfte ich vorwärts rattern. :-)

    Die Kreativwelt ist wirklich groß und man muss das Thema, finde ich, realistisch angehen. Lohnt es sich wirklich? Verdiene ich mehr als ich ausgebe? Wird man meine Ware kaufen? Sticht sie heraus? Wie mache ich auf mich aufmerksam? Habe ich die Zeit und die Muße dazu? Alles Fragen, die man nicht außer Acht lassen sollte und jeder individuell für sich entscheiden muss. Ich werde auf jedenfall berichten, wie es weiter geht und danke dir.

    Kein Problem, es ist schön zu lesen, dass du meine Einträge sehr magst und diese auch immer liest. Das ehrt mich wirklich sehr. :-) Ich lese momentan immer mal wieder auf anderen Blogs und kommentiere dann auch gerne mal aber momentan ist die Zeit echt rar, da ich mir für jeden Kommentar Zeit nehme, die Nähmaschine zum Glühen bringen mag und auch noch vorschreiben möchte. Alles auf einmal geht nicht und irgendwann müssen die Pforten auch mal geschlossen sein. :-)

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